Biathlon bei Olympia: Warum Laura Dahlmeier auch ohne weiteres Gold Hochachtung verdient

Ja, so sind wir. Kaum hat Laura Dahlmeier zwei Goldmedaillen im Biathlon gewonnen, haken wir das innerlich auch schon wieder ab. Wir wollen mehr und schauen schon nach vorne: Wie oft startet sie noch? Und kann sie in diesen Rennen auch Gold holen? Mit den Staffeln doch ganz bestimmt?! Oder etwa nicht? Wenn wir ehrlich sind, dann wären wir schon enttäuscht, wenn nicht wenigstens noch ein weiteres Gold hinzukäme. Dabei hat die 24-jährige Partenkirchnerin schon etwas erreicht, was zuvor noch niemand geschafft hat: Als erste Biathletin bei Olympia hat sie das Gold aus dem Sprint in der Verfolgung verteidigt. Ein Kraftakt, selbst für eine Weltklasse-Sportlerin. Soll erfüllt!Wundert es da, dass die junge Oberbayerin nach ihrem zweiten Gold innerhalb von drei Tagen einen Schwächeanfall hatte? Schon machen wir uns Sorgen. Natürlich wünschen wir Laura Dahlmeier nur das Beste, aber fürchten wir nicht noch ein ganz klein bisschen mehr um den möglichen Medaillenregen? „Ich habe schon oft genug bewiesen, dass ich mich innerhalb von ein, zwei Tagen ganz gut regenerieren kann“, lässt sie uns vor ihrem dritten Start an diesem Mittwoch prompt wissen. Und beruhigt so nicht nur uns, sondern wohl vor allem sich selbst. Denn selbstverständlich will auch Laura Dahlmeier mehr, so viel Erfolg wie möglich. Gerade bei Olympia. Natürlich ist die Leistungssportlerin voller Ehrgeiz. Das ist nachvollziehbar. Aber woher kommt eigentlich unser „Ehrgeiz“, der für so manchen Sportler zum öffentlichen Druck wird?Laura Dahlmeier: Eltern treffen? Wann denn?Laura Dahlmeiers Griff nach Gold 18.28Was auf so eine Athletin nach einem Olympiasieg einstürzt, davon machen wir uns kein Bild. Flower-Zeremonie, Doping-Kontrolle, TV-Interviews in der Mixed-Zone, Lobhudeleien der Funktionäre, Feier im Deutschen Haus, noch mehr Interviews für Zeitungen, Agenturen, TV. Alle zerren an ihr. Auf die Frage, ob sie ihre Eltern schon gesehen habe nach ihrem zweiten Gold-Triumph, sagte die Biathlon-Königin nur: „Wann denn?“ Und weiter: „Ich komme ins Ziel, ich muss in die Leadersbox, mich schnell umziehen.“ Purer Olympia-Stress für die siebenmalige Weltmeisterin. „Dann die Mixed-Zone, die ist unheimlich lang. Auch wenn es nur 60 Sekunden sind, aber bei 20, 25 Fernsehsendern ist es echt weit da rauf“, so die junge Bayerin.Bei all‘ dem könnte man den eigentlichen Sinn der Sache glatt vergessen: die Wettkämpfe! Die haben es in Pyeongchang nicht nur wegen der starken Konkurrenz in sich. Dahlmeier hat zwar gesagt, sie sei es gewohnt, wenn „es richtig zapfig is‘ und der Wind geht“, aber die Verfolgung in klirrender Abend-Kälte war extrem. „Es war ein richtig, richtig hartes Rennen, unfassbar! Meine Finger sind gerade aufgetaut, das waren Schmerzen, schlimmer als in jedem Rennen zuvor. Es war jetzt abartig“, sagte die immer noch frierende Biathlon-Königin. „Die Schmerzen waren unheimlich.“ Bei der Doping-Kontrolle musste sich Dahlmeier dann erschöpft hinlegen. Ein TV-Termin wurde abgesagt, der Deutsche Skiverband schirmte die müde Top-Athletin ab. Wohl sehr zurecht.Olympia-Topstars_14.50″Morgen ist es wieder ok“Und wir, die wir nicht dabei sind, das alles nur vor dem TV miterleben? Wir hoffen auf das nächste Gold, den nächsten großen Erfolg. Stellen letztlich doch Ansprüche wie an eine gut geölte Maschine: Wird Laura auch am Mittwoch liefern? Man kann das unmenschlich finden. Es ist aber in erster Linie dieses ewige Spiel, das Olympia wesentlich mit antreibt: Auf der einen Seite die Bewunderung, die wir gewähren; auf der anderen Seite das Streben danach, bewundert zu werden. Würden sich Olympiasieger so quälen wie Laura Dahlmeier, derart große Anstrengungen unternehmen, wenn sie nur für sich siegen würden?Laura Dahlmeier hat schon Bewundernswertes geleistet, und sie scheint stark genug, noch mehr zu schaffen. „Morgen ist es wieder ok“, macht sie selbst Hoffnung auf mehr. Steht sie womöglich ein drittes Mal ganz oben auf dem Treppchen? Auf die Frage, wie viele Gold-Medaillen sie glaubt holen zu können, sagte sie am Montagabend: „Vielleicht sieben?“ Ein Scherz. In Pyeongchang geht Laura Dahlmeier sechs Mal an den Start. Vier Goldchancen hat sie also noch. Wir drücken die Daumen. Doch selbst wenn es bei den zwei Goldenen bleibt, sollten wir bei unserem Fazit bleiben: Soll erfüllt! Bewunderung inklusive.So cool fahren die Schweizer Skifahrer Rolltreppe_13.10

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