Ex-Chef vom Verfassungsschutz: Das steht in dem Artikel, für den Maaßen die NZZ als "Westfernsehen" bezeichnet

Der ehemalige Präsident des deutschen Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen hat am Dienstagabend mit einem Tweet eine Debatte im Netz ausgelöst. Maaßen teilte einen Link zu einem Artikel der “Neuen Zürcher Zeitung”, der die Überschrift “In deutschen Städten sieht die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen” trägt. Darin heißt es weiter: “Frankfurt am Main, Offenbach, Heilbronn, Sindelfingen – in diesen und anderen Städten sind Deutsche ohne Migrationshintergrund nur noch die grösste Gruppe, stellen aber keine absolute Mehrheit mehr dar.” Maaßen kommentierte den Artikel mit: “Für mich ist die NZZ so etwas wie ‘Westfernsehen’.”Die Zeitung reagierte einen Tag später und wehrte sich gegen den Vergleich Maaßens, der auf die Mediensituation in der ehemaligen DDR anspielt. “Wir sind kein Westfernsehen. Dieser Vergleich ist unpassend und Geschichtsklitterung. Auch bei deutschen Medien arbeiten ausgezeichnete Journalisten und Journalistinnen”, heißt es in dem Antwort-Tweet der Zeitung.Debatte um neuen Maaßen-Tweet 12.30Maaßen teilt häufiger Artikel der NZZAuf seinem Twitter-Profil teilen der Ex-Verfassungsschutzpräsident und sein Team häufiger Artikel des Schweizer Blattes, etwa zu den Themen Meinungsfreiheit, zu Carola Rackete oder über den deutschen Journalismus. Aber worüber handelt der Artikel, für den Maaßen die NZZ, wie die Schweizer Zeitung abgekürzt wird, als “Westfernsehen” betitelt? Der Artikel, verfasst von Redakteur Michael Rasch, befasst sich mit der Bevölkerung in Deutschland und seinen Städten, genauer gesagt mit der Bevölkerungsstruktur. So sei der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in Städten wie Offenbach, Heilbronn, Sindelfingen und Pforzheim, aber auch Frankfurt am Main größer als der der Menschen ohne einen Migrationshintergrund. Dies erklärt in dem Artikel der Migrationsexperte Jens Schneider von der Universität Osnabrück.”Anteil der Deutschen ohne Migrationshintergrund kontinuierlich gesunken”In dem Artikel heißt es: “Anfang 2018 lebten in Frankfurt laut dem statistischen Jahrbuch der Stadt 46,9 % Deutsche ohne Migrationshintergrund. Deutsche mit Migrationshintergrund kamen auf 23,6 % und Ausländer auf 29,5 %, zusammen also 53,1 %. Der Anteil der Deutschen ohne Migrationshintergrund ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Die Schwelle von 50 % wurde erstmals im Jahr 2015 mit 48,8 % unterschritten.” Frankfurt am Main sei nach der bisherigen Kategorisierung “bis jetzt wohl die einzige Grossstadt, in der sich mit 53,1 % Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländern die Mehrheitsgesellschaft umgekehrt hat”, heißt es weiter. Ein Mensch hat laut Statistischem Bundesamt dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.Ein ähnliches Bild zeichne sich laut der NZZ auch in den Städten Nürnberg (44,6 %), Stuttgart (44,1 %), München (43,2 %) und Düsseldorf (40,2 %) ab und zieht dabei den “Interkulturellen Integrationsbericht 2017 der Stadt München als Quelle für diese Zahlen heran. Die Zahlen sind also auf das Jahr 2016 bezogen. In Stuttgart betrage der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund und von Ausländern 46 Prozent, bei unter 18-Jährigen seien es aber fast 60 Prozent, so die NZZ.Hintergrund: Wer ist eigentlich Hans-Georg Maaßen? 19.30Forscher: Nicht alle in einen Topf werfenAllerdings wehre sich Schneider dagegen, dass man Deutsche mit Migrationshintergrund und Ausländer “in einen Topf” werfe, so die NZZ. “Der Begriff Mehrheitsgesellschaft transportiere ein falsches Bild, schliesslich seien rund zwei Drittel aller Kinder von Deutschen mit Migrationshintergrund (inklusive Kindern von Ausländern) in Deutschland geboren. Sie seien damit Deutsche und hätten oft eine berufliche Karriere vor sich, die sehr viel besser sei als etwa diejenige ihrer Eltern.”, so der Artikel weiter.Laut dem Artikel seien vor allem Städte im Westen und Süden Deutschlands vom “Ende der Mehrheitsgesellschaft” betroffen. Dies liege laut dem Artikel an der stärkeren Wirtschaftskraft der Regionen und dem damit einhergehenden Bedarf an Arbeitskräften. Es gebe aber auch viele Städte, bei denen sich das Bild vom “Ende der Mehrheitsgesellschaft” nicht widerspiegele und der Anteil von Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund geringer sei, als in den oben genannten Städten. Dazu gehörten zum Beispiel Berlin und Hannover mit einem Anteil von rund 30 Prozent, Kiel (rund 24 %), Potsdam (rund 12 %) und Dresden (rund 11 %). Auffällig dabei ist, dass es sich um Städte in Nord- und Ostdeutschland handelt.Anteil Deutscher ohne Migrationshintergrund im Land deutlich höherAuch wenn die Zahlen für Städte wie Frankfurt am Main oder Offenbach erschreckend klingen mögen, auf ganz Deutschland gerechnet ist die Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund und Ausländern deutlich geringer, so die NZZ. Laut Statistischem Bundesamt hätten unter den rund 81,7 Millionen Einwohnern Deutschlands knapp 62,5 Millionen – und damit rund drei Viertel – keinen Migrationshintergrund. Auf Bundesebene bliebe diese Gruppe auf absehbarer Zeit in der Mehrheit, so die Zeitung weiter. Deutsche mit Migrationshintergrund kämen demnach auf einen Anteil von 12,5 Prozent und Ausländer auf einen Anteil von 11,9.Dennoch schreibt der Autor der NZZ, dass “der sinkende Trend beim Anteil von Deutschen ohne Migrationshintergrund kontinuierlich anhalten” würde. “Bei Kindern zwischen 0 und 10 Jahren beträgt der Anteil der Deutschen ohne Migrationshintergrund noch gut 60 %, bei den 10- bis 15-Jährigen liegt er bei 64 %”, so das Blatt weiter.Maaßen zu AfD 19.25Migration ein “ständiger Fluss”Dem Migrationsforscher Schneider zufolge sei “Zuwanderung ein ständiger Fluss”. So seien bereits 1955 Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Ländern wie Italien oder Spanien vereinbart worden. Später folgten Arbeiter und Zuwanderer aus Ländern wie der Türkei, Marokko, Südkorea und der ehemaligen Sowjetunion. Weiter heißt es: “Mit der Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union zog Deutschland viele Menschen aus anderen Mitgliedstaaten an, nicht zuletzt aus Kroatien, Rumänien und Bulgarien. Die Flüchtlingswelle Mitte dieses Jahrzehnts sorgte schliesslich für einen weiteren Schub bei der Gruppe der Ausländer.”Laut NZZ sei das Phänomen vom “Ende der Mehrheitsgesellschaft” kein rein deutsches. In US-amerikanischen Städten, aber auch in europäischen Metropolen wie Amsterdam, Brüssel oder London sei ein solcher Trend ebenfalls zu beobachten.Anmerkung: Die Schweizer verwenden kein “ß”. Wir haben in den Zitaten auch dort “ss” stehen lassen, wo im Deutschen eigentlich ein “ß” stünde. Quellen: Tweet von Hans-Georg Maaßen, “Neue Zürcher Zeitung”, Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch Frankfurt Main (2018), Münchner Integrationsbericht (2017), mit Material der Agentur DPA

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Ex-Chef vom Verfassungsschutz: Das steht in dem Artikel, für den Maaßen die NZZ als "Westfernsehen" bezeichnet

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