Was beim BVB alles im Argen liegt

Kurz vor dem Ende des Spiels in der Münchner Allianz Arena skandierten einige Bayern-Fans nach einem erneuten Dortmunder Fehlpass ins Seitenaus hämisch: “Üben, üben!”Wenig später wurden die BVB-Spieler nach dem Schlusspfiff von den aufgebrachten eigenen Anhängern mit lautstarken Pfiffen in die Kabine geschickt.Die Fußball-Volksseele hat ja im Allgemeinen ein gutes Gespür für die Leistung einer Mannschaft – oder “Nicht-Leistung”, wie sie Sportdirektor Michael Zorc dem eigenen Team konstatierte. Wieder einmal war der BVB beim FC Bayern untergegangen. 0:4 diesmal gegen zuvor durchaus angeschlagene Münchner, nach dem 0:5 vor erst wenigen Monaten in der vergangenen Saison.Ein erneutes Debakel, ein Armutszeugnis, spielerisch wie – und das wiegt womöglich noch schlimmer – kämpferisch. Ex-BVB-Profi Michael Rummenigge sprach von einer “blutleeren Vorstellung. In den sozialen Netzwerken war gar von einem “Schlachtfest” die Rede.Die klägliche Darbietung hat offenbart, was die drei jüngsten Heimsiege zuvor kaschiert haben: Der BVB ist aktuell ein äußerst fragiles Gebilde, mit Einsturzgefahren an allen Ecken und Enden.SPORT1 zeigt auf, was bei der Borussia alles im Argen liegt.Wie das Kaninchen vor der Schlange Männerfußball hatte Zorc vor dem Spiel gefordert. Davon war bei den Dortmundern nichts zu sehen. Einzig Torhüter Roman Bürki und Abwehrchef Mats Hummels versuchten zumindest, sich gegen die Bayern zu stemmen. Viel zu wenig. Auch Axel Witsel, im Vorjahr noch strahlender Fixpunkt im Mittelfeld, steckt derzeit in einem Formtief. “Es war ein Klassen-Unterschied in Präsenz und Ausstrahlung. Bis auf Hummels hat niemand etwas ausgedrückt. Das war Schülerfußball gegen Erwachsenenfußball. Niemand ist am Samstag aus dem Stadion gegangen und hat gesagt: Das war nur ein Ausrutscher”, sagte Ex-Profi Thomas Strunz im CHECK24 Doppelpass.SPORT1-Experte Marcel Reif befand: “Wenn es zu so einem Spiel kommt, wenn Erwachsene sich treffen, dann kommt nichts. Wenn du das nicht kannst, wird es mit der Meisterschaft nichts.”Die Dortmunder Quote von nur 38 Prozent gewonnener Zweikämpfe spricht Bände und beschönigt eher noch das Verhalten vieler Spieler, die Duellen sogar lieber aus dem Weg gingen. Wie paralysiert schlichen die meisten von ihnen über den Platz. Verängstigt, wie das Kaninchen vor der Schlange. Es verwundert daher schon, dass Trainer Lucien Favre keine Ängstlichkeit bei seinen Spielern ausgemacht haben wollte. Hummels, der die Mannschaft wegen der Verletzung des erst eingewechselten Marco Reus als Kapitän auf den Platz geführt hatte, widersprach Favre: “Ich dachte schon, dass wir mutiger auftreten.”Harmlose Offensive Nur einen Torschuss gab der BVB in München ab, so wenig wie noch nie seit der Erfassung der Spieldaten. Der kurz zuvor eingewechselte Paco Alcácer stocherte den Ball dabei aus kurzer Distanz am Münchner Tor vorbei. Nur nach der Einwechslung von Reus und Alcácer nach gut einer Stunde wurde der BVB kurzfristig etwas gefährlich. “Das war einfach nichts”, sagte Zorc zu den mangelhaften Bemühungen der Offensive, die im Vorjahr noch mit begeisternden Spielzügen verzaubert hatte.”Wenn Alcácer fit ist und dann nicht spielt, ist das eine Art von Fußball, die keine Erfolgsberechtigung hat”, sagte Reif und kritisierte damit auch Trainer Lucien Favre. Zumal Mario Götze im Sturmzentrum jegliche Durchschlagskraft fehlte.Aber auch die restliche Offensive fand in München kaum statt. Jadon Sancho, dessen Einsatz wegen einer Zerrung im Oberschenkel fraglich gewesen war, wurde nach einer schwachen Leistung schon nach 35 Minuten ausgewechselt. Julian Brandt, der in den drei Heimspielen zuvor dreimal getroffen hatte, lieferte auf der Reus-Position im zentralen Mittelfeld eine unerklärlich schwache Vorstellung. Beinahe wie bei einem gemütlichen Sonntagsspaziergang trottete Brandt mitunter über den Platz. Bezeichnend: Insgesamt standen bei den Dortmundern am Ende deutlich weniger Sprints zu Buche als bei den Bayern. Neuzugänge keine VerstärkungÜberhaupt die Neuzugänge: Brandt gleicht in Dortmund bislang einer Wundertüte. Thorgan Hazard, bei Favre offenbar gesetzt, agiert oftmals zu egoistisch.Und Linksverteidiger Nico Schulz ist weit von seinen Leistungen in Hoffenheim entfernt. Defensiv ist der deutsche Nationalspieler anfällig, offensiv setzt er kaum Akzente.Das vor der Saison mit vielen Vorschusslorbeeren nach Dortmund gewechselte Trio entpuppt sich bislang nicht als Verstärkung. Schwankende Leistungen Sinnbild für die fehlende Konstanz war in München Achraf Hakimi. Beim 3:2 am Dienstag in der Champions League gegen Inter Mailand glänzte der Marokkaner noch als Doppeltorschütze. Diesmal trug er an den ersten drei Gegentoren eine Mitschuld. “Die Mannschaft hat zwei Gesichter”, stellte Michael Rummenigge im CHECK24 Doppelpass fest: “Bekommst du ein Gegentor, bricht die ganze Fassade zusammen.”Favres MakelEine Trainerdiskussion wollte Zorc nach dem Spiel nicht aufkommen lassen. Favre würde er bei der Kritik “komplett rausnehmen, um das ganz klar zu sagen.”Doch auch Favre muss sich Fragen gefallen lassen. Einmal mehr ging seine Mannschaft in einem wichtigen Spiel unter. Wie in der vergangenen Saison beim 0:3 im Achtelfinale der Champions League bei Tottenham Hotspur, wie beim 2:4 im Revierderby gegen Schalke oder eben wie beim 0:5 in München.”Kann die Mannschaft es nicht oder vermittelt der Trainer es nicht?”, fragte Strunz. Der als gewiefter Taktiker geltende Favre schafft es anscheinend nicht, seine Mannschaft emotional auf Big-Point-Spiele einzustellen. Auch das macht jedoch einen guten Trainer aus.

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